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Kommentare (2)

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  • Christa Englinger schrieb am 29.07.2016 um 12:20 Uhr

    Schnupperpilgern 23.-25. Juni 2016

    Ende Juni war ich schon zum vierten Mal mit „SchnupperpilgerInnen“ unterwegs – und ich kann sagen: es war jedes Mal eine großartige Erfahrung.
    Das „Schnupperpilgern“ ist für Frauen und Männer jeder Altersstufe und jeden Glaubens gedacht und dementsprechend unterschiedlich waren die TeilnehmerInnen, mit denen ich bisher losgepilgert bin.
    Im Mittelpunkt steht das praktische Kennenlernen einer Pilgerwanderung von mehreren Tagen. Manche pilgern mit, weil sie eine längere Pilgerreise planen und wissen möchten, wie sich das anfühlt und wie sie physisch und psychisch damit umgehen können. Andere wandern gerne und möchten erfahren, was hinter dem Gedanken des Pilgerns steht, für das sich immer mehr Menschen interessieren.

    Treffpunkt war am Donnerstag zu Mittag in Lilienfeld. Dort gab es zuerst einmal ein köstliches Mittagessen und eine entspannte Kennenlernrunde. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Teilnehmerinnen (diesmal waren es tatsächlich nur Frauen!) ganz toll harmonierten: eine bunte Gruppe Gleichgesinnter, die drei Tage in der Natur genießen wollten und dabei nicht nur etwas über die Geschichte und Kultur des Pilgerns sondern auch über sich selbst lernen wollten. Und – für alle ganz wichtig: Entspannung, Spaß und Genießen sollten dabei auch nicht zu kurz kommen!
    Wie gut, dass Mostviertel Tourismus einen Gepäcktransfer anbietet – so konnte jede ganz bequem und – im wahrsten Sinne des Wortes – unbeschwert mit einem kleinen Rucksack für Regenschutz und Proviant losstarten. Das „große Gepäck“ wartete jeden Abend schon im Gasthof. (So ganz unter uns: ich persönlich finde es unheimlich spannend, einen Rucksack für mehrere Tage zu packen, genau zu überlegen, was ich wirklich brauche und dann nur mit dem Allernotwendigsten am Rücken los zu marschieren. Das gehört irgendwie auch zu den Pilgererfahrungen und ich hatte immer wieder TeilnehmerInnen, die das auch so wollten. Wie schön, dass es beide Möglichkeiten gibt und dass jeder nach seinem Geschmack und seiner körperlichen Verfassung entscheiden kann!).

    Nach einer Führung durch das Stift Lilienfeld – die größte mittelalterliche Klosteranlage in Österreich und eine zentrale Etappenstation genau auf halber Strecke der Via Sacra zwischen Wien und Mariazell – pilgerten wir am Nachmittag die Traisen entlang bis Türnitz. Die Sonne begleitete uns auf unserem Weg und wir kamen ganz schön ins Schwitzen.
    Umso mehr freuten wir uns auf die erfrischende Dusche und die abendliche Stärkung im Hotel zum Goldenen Löwen in Türnitz!

    Am Freitag verließen wir die historische Via Sacra, um einen kleinen und sehr lohnenswerten Umweg über die Falkenschlucht zu machen. Zuerst ging es die Straße entlang durch die Weidenau bis zur Falkenschluchthütte. Dort wurde tatsächlich gerade eine neue Rastbank für aufgestellt. Und wir durften sie mit unserem Picknick einweihen – inklusive Schnapserl auf Einladung des Hüttenbetreibers! Dermaßen gestärkt war die Bewältigung der Falkenschlucht ein Leichtes. Wir ließen diese mystische Wegstrecke mit allen Sinnen auf uns wirken und am oberen Ausgang der Schlucht steckten wir unsere müden Füße in den herrlich erfrischenden Bach.
    Am späten Nachmittag kamen wir schließlich nach Annaberg, wo es für die Pilgerinnen in der Wallfahrtskirche eine kleine Überraschung gab. Was, wird nicht verraten: einfach das nächste Mal mitgehen ;-)! Im Pfarrhof gibt es eine kleine Informationsausstellung über die Geschichte Annabergs und der Via Sacra, sehr lohnenswert, auch wenn im Gasthof Meyer schon ein köstlicher Kuchen wartet! Ein Highlight wartete dann noch am späteren Abend auf diejenigen unter uns, die noch genug Kräfte hatten: Nach einem Platzkonzert vor der Kirche ging es mit Fackeln zum Sonnwendfeuer mit Blick auf den Ötscher! Es war ein einmalig stimmungsvoll: das Feuer, der Ötscher im Abendlicht, die Blasmusik und als Krönung noch der Andachtsjodler, dargebracht von ein paar Annabergern und Annabergerinnen.

    Am dritten Tag ging es am historischen Pilgerweg weiter über Joachimsberg und Josefsberg nach Mitterbach. In den Kirchen der „Heiligen Berge“ hielten wir jeweils eine kurze Andacht und es wurde sogar gesungen! Das war meine erste Gruppe, die Freude am Singen der Lieder hatte, die ich für die Pilgerwanderung in einem kleinen Heftchen zusammen mit Gebeten und Pilgertexten gesammelt hatte. Und es stimmt wirklich: wer singt, betet doppelt.

    Auch wenn ich in diesem Bericht nicht viel vom spirituellen Hintergrund des Pilgerns geschrieben habe: die Gebete, Lieder und Denkanstöße bildeten gemeinsam mit Informationen über die Region und die Geschichte des Pilgerns einen „geistigen Rahmen“, der das Pilgern vom Wandern unterscheiden sollte.

    In Mitterbach legten wir noch eine größere Rast ein, bevor wir über den Rosenkranzweg nach Mariazell gingen. Die letzten Kilometer legten wir schon in freudiger Erwartung der Ankunft zurück – nicht ohne die Heilkräuter zu studieren, die in den neuangelegten Heilkräuterbeeten neben den Rosenkranzstationen wachsen.
    Einer der erhebendsten Augenblicke der Pilgerwanderung ist der erste Blick auf die Mariazeller Basilika: Wir haben es geschafft!

    Am Brunnen neben der Basilika spendeten wir einander noch gegenseitig den Pilgersegen und anschließend ging jede Pilgerin in die Basilika, um eine persönliche Andacht zu halten.
    Die drohenden Gewitterwolken waren so gnädig, ihre nasse Fracht so lange für sich zu behalten, bis wir alle müde aber glücklich im Kaffeehaus saßen und unsere Kalorienspeicher wieder auffüllten: Die App einer Mitpilgerin hatte uns verraten, dass wir heute rund 30.000 Schritte gegangen waren und dabei rund 1.800 Kalorien verbrannt hatten. Auch das ist also ein Aspekt des Pilgerns!
    Während einige nach der Jause zur Mariazellerbahn gingen oder abgeholt wurden, blieben drei von uns noch über Nacht in Mariazell: Das ist sehr empfehlenswert, denn wir hatten noch die Gelegenheit, an der stimmungsvollen Lichterprozession um die Basilika (die jeden Samstagabend stattfindet) teil zu nehmen – ein würdiger Abschluss einer schönen Pilgerwanderung.

    Ich danke allen Mitpilgerinnen für die guten Gespräche und die bereichernde Gemeinschaft – es war wunderbar, mit euch unterwegs zu sein!

    Christa Englinger, Pilgerbegleiterin

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  • Christa Englinger schrieb am 25.05.2016 um 08:54 Uhr

    Über die Via Sacra nach Assisi

    Im April habe ich mir zu meinem „runden“ Geburtstag einen lang gehegten Traum erfüllt: auf dem Franziskusweg von La Verna nach Assisi zu pilgern.

    Aufmerksame Pilger haben sicher schon das Schild am Eingang zur Pfarrkirche Annaberg gesehen: „Internationaler Pilgerweg VIA SLAVORUM Krakow – Brünn – Retz – Klosterneuburg – Mariazell – Assisi – Rom“. Ein bedeutender internationaler Pilgerweg nach Assisi und Rom führt also über Mariazell – und somit über die Via Sacra.

    Meine Begeisterung für das Pilgern hat vor rund fünf Jahren auf genau dieser Via Sacra begonnen. Mittlerweile habe ich in Lilienfeld meine Wahlheimat gefunden und begleite immer wieder Pilgergruppen von Lilienfeld nach Mariazell. Ich wollte also meine Pilgerwanderung auf den Spuren des Heiligen Franziskus auf diesem Weg beginnen!

    Begleitet von meinem Mann und ein paar lieben Freunden bin ich am Ostermontag von meiner Wiener Wohnung aus aufgebrochen. Emmausgang einmal anders. Es war ein ganz neues Gefühl, zu Fuß von zu Hause aufzubrechen, zuerst einmal ein paar Tage zu gehen und sich langsam von daheim zu entfernen, anstatt gleich in ein Verkehrsmittel zu steigen, das mich schnell fortbringt.

    Die ersten beiden Tage war ich in Begleitung zuerst einer, dann zweier pilgerbegeisterter Freundinnen unterwegs zur Via Sacra: Am Montag von Nußdorf über die Jägerwiese (auch hier findet man ein Schild der Via Slavorum) und den Hermannskogel auf die Sophienalpe und über die Hohe-Wand-Wiese weiter nach Gablitz. Am Dienstag ging es über den Troppberg und Rekawinkel nach Laaben, bevor es am Mittwoch schließlich soweit war: In Rohrbach an der Gölsen erreichten wir die Via Sacra.
    Ich gebe es zu: Um Zeit und Energie zu sparen, haben wir Teile der Via Sacra – die ich von vielen Pilgerwanderungen schon sehr gut kenne – mit Zug und Bus zurück gelegt. Für viele Menschen, die gerne pilgern möchten, aber aus gesundheitlichen oder konditionellen Gründen keine langen Strecken gehen können, ist das eine angenehme Erleichterung: Entlang der Via Sacra gibt es immer wieder die Möglichkeit, in ein öffentliches Verkehrsmittel zu steigen und die Tagesetappe dadurch seinen Möglichkeiten anzupassen.

    Auf meinem Programm gab es zwei wichtige Fixpunkte: Den Pilgersegen von Pater Pius im Stift Lilienfeld und – doppelt hält besser! – auch einen Segen von Pater Justin in Annaberg. Auch die wunderbare Strecke von Annaberg über Joachimsberg – meine Lieblingsetappe, immer mit dem Blick auf den Ötscher – und den Rosenkranzweg von St. Sebastian nach Mariazell wollte ich unbedingt zu Fuß zurücklegen. Es ist immer wieder ein erhebendes Erlebnis, wenn man nach einem langen Weg zum ersten Mal die Türme der Mariazeller Basilika sieht: Das Ziel (oder in unserem Fall eine Zwischenetappe) ist bald erreicht!

    Nach einer Andacht vor dem Gnadenaltar und einer Stärkung mit Mariazeller Lebkuchen ging es mit dem Bus nach Bruck an der Mur und weiter mit dem Nachtzug nach Italien. Am nächsten Morgen um 07:00 Uhr war ich bereits in Arezzo, einer gemütlichen Kleinstadt im Südosten der Toskana.
    Von hier ist einer der Ausgangspunkte des Franziskusweges, das Kloster La Verna, bequem mit Bahn und Bus und nach einem kurzen Fußweg zu erreichen.

    La Verna ist ein wahrhaft mystischer Platz. Auf einem Felsen mit herrlichem Blick ins Tal liegt der Ort, an den sich Franziskus gerne in die Stille zurückzog und wo er der Legende nach zwei Jahre vor seinem Tod die Wundmale Christi empfing.
    Heute steht hier ein Franziskanerkloster mit einem großen Gästetrakt und Seminarräumen. Das Kloster ist ein beliebtes Ausflugsziel und vor allem an Wochenenden und Feiertagen recht überlaufen. Erst am Abend, wenn die Tagesgäste wieder weg sind, kann man die Ausstrahlung dieses Ortes so richtig spüren. Am besten plant man einen ganzen Tag hier ein, um sich in Ruhe alle Kapellen und Franziskus-Erinnerungsstätten anzusehen. Vielleicht geht sich auch eine kurze Wanderung durch den das Kloster umgebenden „Zauberwald“ auf den Gipfel des Monte Penna aus, von dem man einen schönen Panoramablick über die Berge der östlichen Toskana genießt. Besonders stimmungsvoll sind die Chorgebete der hier lebenden Mönche, zu denen Gäste gerne eingeladen sind.

    Ich blieb zwei Nächte und konnte mich wunderbar auf meinen Weg und auf den Heiligen Franziskus einstimmen. Am liebsten wäre ich länger geblieben, doch eine Pilgerin muss immer wieder aufbrechen. Also machte ich mich genau eine Woche nach meinem Start in Wien auf den eigentlichen Franziskusweg. DEN Franziskusweg gibt es allerdings nicht: Zwischen La Verna und Assisi existieren mindestens drei beschilderte und/oder detailliert beschriebene Wege. Ich hatte als erstes das Buch von Anton und Simone Ochsenkühn „Franziskusweg: Leben atmen – Wegbeschreibung“ (amac-buch Verlag) in den Händen und so folgte ich dem von ihnen beschriebenen Weg.

    Inklusive eines „Ruhetages“ in Gubbio (an dem ich beim Besuchen aller Sehenswürdigkeiten wahrscheinlich mehr Kilometer gegangen bin als an den „Pilgertagen“) pilgerte ich zehn Tage auf diesem Weg. Sechs Tage davon war ich alleine unterwegs. Wirklich alleine, denn auch unterwegs traf ich erst auf den letzten beiden Etappen jeweils zwei andere Pilger. Zwei Tage lang begleitete mich ein Kollege aus Wien und auf der letzten Tagesetappe waren mein Mann und mein Schwiegervater mit von der Pilgerpartie, um gemeinsam mit mir in Assisi einzuziehen. Die Abwechslung vom Gehen in der Stille und Einsamkeit der Natur und Pilgern in Gesellschaft mit intensiven Gesprächen war tatsächlich sehr inspirierend.

    Meine Erlebnisse, Empfindungen und Erkenntnisse auf dem Weg und in Assisi werden ein ganzes Buch füllen, an dem ich schon zu schreiben begonnen habe.
    Wer schon vor dem Erscheinen dieses Buches mehr über den Weg wissen oder Tipps für eine eigene Pilgerwanderung haben möchte, kann mich gerne kontaktieren:

    Christa Englinger
    Pilgerbegleiterin auf der Via Sacra
    Tel: 0664 / 185 96 94
    Mail: christa@destinomondo.com

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