Renaissance des Pilgerns

Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte das Pilgern nach der Kriegszeit einen Aufschwung.

Im 20. Jahrhundert ging das Pilgerwesen aufgrund der beiden Kriege stark zurück. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts erlebt die Fußwallfahrt eine Renaissance. Neben der historischen Via Sacra gewann der Wiener Wallfahrerweg immer mehr an Bedeutung. Er führt in etwa vier Tagen auf ca. 110 Kilometern oft durch unberührte Wald- und Wiesengebiete nach Mariazell.

Pilgern oder wallfahren?

Vielfach werden die Begriffe „pilgern“ und „wallfahren“ gleichbedeutend verwendet. Im engeren Sinn beschreibt eine „Wallfahrt“ ein soziales Ereignis, eine Reise in einem traditionell religiösen Rahmen, die von kirchlicher Seite für eine Gruppe von Gläubigen organisiert wird. Pilger hingegen sind individueller und freier unterwegs, nicht nur aus religiösen Gründen, auch wenn ihr Reiseziel traditionell religiös ist.

Dank und Buße

Für viele – auch heute noch – sind religiöse Gründe der Anlass für eine Pilgerwanderung oder eine Wallfahrt mit einer Gruppe. Anlässe können eine auferlegte Buße sein, das Bemühen um einen Sündenablass, die Erfüllung eines Gelübdes, die Hoffnung auf Gebetserhörung oder auf Heilung von einer Krankheit, religiöse Vertiefung oder auch eine Danksagung.

Erfahrung und Muße

Für viele – die Zahl wächst beständig – stehen andere Gründe im Vordergrund. Sie wollen sich eine Auszeit gönnen, sich eine Zeitlang dem Rhythmus und der Langsamkeit des Gehens hingeben, in und aus der Natur und der Begegnung mit sich selbst neue Inspiration und Kraft schöpfen. Manche wiederum beginnen – oder beenden – einen Lebensabschnitt mit einer Pilgerwanderung.

Dazu kommen wohl auch verschiedene Sehnsüchte, die auf Erfüllung warten: Fremdes kennen zu lernen, Überfluss gegen Einfachheit zu tauschen, Abenteuer zu erleben, seine Improvisationsfähigkeit und auch seine eigenen Grenzen auszuloten.